Mittwoch, 13:20 Uhr. Nach 4 Tagen, 17 Stunden und 55 Minuten erreicht
Nach einer regenreichen Nacht vollzogen seine Begleitteams einen letzten Wechsel. Am Penalty-Point, 85 Kilometer vor dem Ziel, müssen die Extremradler ohnehin eine Zwangspause einlegen, um die unterschiedlichen Startzeiten zu neutralisieren. Strafminuten, wenn Fahrer zum Beispiel bewusst oder aus Versehen die Strecke abgekürzt haben werden hier zur Standzeit addiert. Steinberger, der sich bei seiner Grenzfahrt um die Alpenrepublik, von kleinen Unachtsamkeiten abgesehen, immer auf der offiziellen Route befand, musste nur seinen Startunterschied von 18 Minuten absitzen. Abliegen wurde für den Pösinger daraus, ein 20minütiges Schäferstündchen, auch „Powernapp“ genannt. Für Sepp Lankes der den Pösinger dann wieder Wecken musste, ist das keine einfache Gradwanderung. „Wenn man erlebt hat, wie er mit unbändigem Willen diese enorme Beanspruchung wegsteckt, aber natürlich die Müdigkeit ein immer stärkeres Problem wird, bin ich natürlich versucht, den Bernhard länger schlafen zu lassen.“ , erklärt Lankes das Dilema. „Die Dauer spielt aber beim Erholen weniger eine Rolle, vielmehr entscheidet die Qualität des Schlafes, ob Sportler unter Dauerbelastung, wieder neue Energie schöpfen können.“
Als Berhard Steinberger nach diesem letzten planmäßigen Stopp wieder aufs Rad klettert, wirkte er noch wie benommen. 100 Stunden saß er im Sattel. Seit Rennbeginn vor vier Tagen hat er 5 Stunden 45 Minuten geschlafen. Erholung ist ihm äußerlich nicht anzumerken, aber nach einigen Kilometer machte er wieder einen guten Eindruck.
Der Slovene David Rihtaric hatte Schärding als Zweitplazierter bereits erreicht, und um die Verfolger musste sich Steinberger auch keine Gedanken machen, die lagen weit genug zurück. So konnte der Pösinger Extremradler die restlichen Kilometer, die über Burghausen nach Schärding führten, unbedrängt abarbeiten. Marianne Steinberger nahm ihren erschöpften Sohn nach der Ankunft dann auch sofort in die Arme, überglücklich dass es nur etwas Schaf und eine üppige Mahlzeit bedarf, um den Dauerradler wieder aufzupäppeln. Auch sein Bruder Rainer, selbst ein erfolgreicher Triathlet, gehörte zu den ersten Gratulanten. Die Daheimgebliebenen konnten dank GPS-Live-Tracking zu jeder Zeit mitverfolgen, wo sich
Richtig freuen konnte sich der Pösinger noch nicht. Erst als er auf der Bühne des Veranstalters, am Schärdinger Marktplatz, von Crew und Freunden mit Sekt begossen wurde, begann Steinberger wieder zu lächeln. Eine Journalistin fragt den Pösinger, wann er wieder auf`s Rad steigt. „Garantiert die nächsten vier Wochen nicht!" ,antwortet er heiser und müde.
Noch nie hat Steinberger so eine große Distanz überwunden, noch nie war das Profil einer Rennstrecke mit so vielen Alpenpässen erschöpfender für seinen Körper. Und noch nie hat er einen größeren Aufwand betrieben, um konkurrenzfähig zu sein. Der Mensch wächst mit seinen Zielen. Ein mögliches Ziel: das „Race Across America“. Steinberger spielt mit dem Gedanken an dieses legendäre Rennen schon seit langem. Sein Coach Andrea Clavadetscher konnte diese 5000 Kilometer lange Tourtour quer durch Amerika schon gewinnen. Erst vor wenigen Monaten hat sich der Kontakt zum Schweitzer ergeben, der als Trainer und Betreuer sein Know How an ehrgeizige Rennfahrer weitergibt. In
Natürlich will der davon im Moment nichts wissen, aber dass er erst in vier Wochen wieder aus Rad steigen will, mag man dem sympathischen Oberpfälzer auch nicht abnehmen.